Die PDF Tools AG wünscht Ihnen frohe Festtage 2015! – Die traditionelle Schweizer Weihnachtschronik, Teil 10

Schweizer Weichnachtschronik, Teil 10

Silvesterchlausen in Urnäsch

...von Zäuerli, Schuppeln und Schellen

Es wird geschnitzt, gestickt, gemalt, verdrahtet, modelliert und geklebt – Fingerfertigkeit und Kreativität ist auf jeden Fall hoch im Kurs. Bei der Herstellung der Gewandung und Zier ist meist die ganze Familie involviert. Mit der Kopfbedeckung und den Schellen kann ein Kostüm gut und gerne 40 Kilo wiegen – vielleicht einer der Gründe warum auch heute noch hauptsächlich Männer chlausen.

Wie bei vielen Bräuchen, liegt der Ursprung des «Silvesterchlausen» im Dunkeln. Sicher ist, dass die farbenfrohe und laute Tradition seit dem späten Mittelalter dokumentiert ist. Es gab Zeiten, da wurde das Chlausen anerkannt, geduldet oder war verboten. Heute ist das Silvesterchlausen ein beliebter Anlass und wird gleich zweimal gefeiert!

Am 31. Dezember nach dem gregorianischen und am 13. Januar nach dem julianischen Kalender sammeln sich die Chläuse frühmorgens und ziehen in Gruppen, sogenannten Schuppeln, von Haus zu Haus. Es gibt eine klare Hierarchie: Allen voran läuft der «Vorrolli», diesem folgen die «Schelli» und schliesslich bildet der «Noerolli» das Schlusslicht. Die Schuppeln präsentieren ihre eigenen Themen auf den Hauben und selbst die Zäuerli sind «Eigenkompositionen».

Bei den Häusern angekommen stellt sich die Gruppe im Halbkreis vor dem Eingang auf und es wird geschellt und gerollt. Nach einer Weile folgt dem Schellenspiel ein Zäuerli – ein wunderschöner Naturjodel aus dem Appenzellerland.

Danach wünschen die Chläuse dem Hausherrn und seiner Familie ein erfolgreiches neues Jahr und erhalten einen wärmenden Glühwein, gesottenen Most und manchmal auch ein Geldgeschenk.

Es gibt drei Arten von Chläuse: die «Schönen», die «Wüsten» und die «Schön-Wüsten». Die Schönen sind in eine Tracht aus Samt gewandet und tragen eine reich verzierte Kopfbedeckung, welche mit ihren geschnitzten Figuren meist Szenen des ländlichen Lebens darstellt.

Die wüsten Chläuse treten mit furchterregenden Masken und Kleidung auf, welche mit Heu, Stroh, Tannenreisig und Stechpalmenzweigen besteckt wird. Die Natur- oder Waldchläuse, die Schön-Wüsten, sind eine Mischung der zwei anderen Chläuse – diese Form ist jedoch neueren Datums.

Die Tradition der Silvesterchläuse war beinahe verschwunden - heute wird sie erneut mit viel Herzblut gelebt und selbst die Kinder bilden ihre eigenen Schuppeln und lernen früh, was einen guten Chlaus ausmacht.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben angenehme Feiertage und einen schwungvollen Rutsch ins neue Jahr!

Ihr PDF Tools Team